Der Gallimarkt anno 1908

Leer, den 7. Oktober 1908

Der diesjährige Gallimarkt
wurde heute in der früher üblichen Weise durch Glockenruf und Trommelschlag eröffnet. Trommler und Ausrufer trugen altmodischen Anzug. Bei dem Ausruf des Klinglers: „De Börgemester lett verbeden“ usw. fiel besonders der Schlusssatz auf: „Darna fif Dage frey Markt!“. Der Gallimarkt wird also bis zum Sonntag einschließlich ausgedehnt werden, was auch schon aus der Ausdehnung der Brandwachen bis zum Montag hervorgeht. Bei dem wenn auch etwas frischen aber sonnigen Herbstwetter lässt sich der erste Tag des Marktes sehr gut an. Allerdings ist der Besuch in den Vormittagsstunden noch kein besonders starker, doch hebt sich der Verkehr gewöhnlich gegen Mittag. In den Straßen der Stadt herrscht bereits reges Leben, für die Marktstimmung sorgt immer eine Unmenge von Orgelspielern, sowie einige Musik- und sonstige Kapellen. Auf dem Marktplatz hatten heute Vormittag die meisten größeren Geschäfte die Buden noch geschlossen. Von den vertretenen Hauptetablissements nennen wir folgende: Biograph und Gondelbahn (Lambertz), Anatomisches Museum (Winkler), Hyppodrom (Schlossmacher), Irrgarten und tätowierte Dame (Heintze), Raubtier-Theater (Berg), Tierabnormitäten (Bäse), Seehunde (Ahrend), Naturseltenheiten (Ackermann), Fußkünstler Willy (Kaak), verschiedene Karussells (Meyer), Fahrradkarusselll (Langenscheidt), die große russische Schaukel (Berger), Kasperletheater (Heitmann), Kraftmesser (Mescher). Dazu kommen dann noch die verschiedenen Spiel- und Schießbuden, einige holländische Waffelbuden, eine große Anzahl Kuchen-, Konditorei- und Südfrüchtebuden, ein Restaurationszelt sowie Schmuckwarengeschäfte und die üblichen Verkaufstische und -stände. Der Moppenonkel hat uns diesmal nicht aufgesucht. - Der am heutigen ersten Markttage stattfindende Pferdemarkt ist gut beschickt, es sind etwa 400 Stück zugetrieben.

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